Das Reetdach

Das Reetdach gibt es in den Ländern an der Nord- Ostsee seit dem Ende der letzten Eiszeit, als der bis dahin nomadisierende Sammler begann, zunächst an den Ufern und Gewässern sesshaft zu werden. Die ersten von ihm stationär gebauten, sicherlich noch gebrechlichen Hütten bedeckte er zum Schutz gegen die Klimafaktoren Niederschlag, Wind und Sonnenstrahlung mit Reet.

Er begriff damals schon instinktiv: Es gibt nichts besseres.

Seitdem sind viele 1000 Jahre vergangen und das Reetdach hat alle Entwicklungen der Menschen in unserem Lebensraum er- und überlebt.

Reet
Reetdach

Die Vorteile:

Reet ist eine ökologischer Nachwachsender Werkstoff. Ein Reetdach ist absolut frei von chemischen Zusatzstoffen.

Der sich vor allem durch seine Festigkeit, Elastizität und seine Tragfähigkeit auszeichnet. Es ist widerstandsfähig gegen über Witterungseinflüsse wie Schnee und Regen sowie Hitze und Kälte. Ein weiter Vorteil ist auch das Besondere Angenehme Raumklima unter einem Reetdach. Im Sommer immer kühl und im Winter warm.

Die hohe Lebensdauer eines Reetdaches,ist ein weiterer Vorteil, man wohnt biologisch gesund. Architektonisch ist ein Reetdach auch im Detail elegant. Insofern erfreut sich das Naturdach Reet wieder zunehmender Beliebtheit.

Geschichte

Reet bzw. Schilf war eines der ersten Bedachungsmaterialien der sesshaft gewordenen Menschen; dies ist vor allem auf seine Eigenschaften als Wasserpflanze und seine lokale Verfügbarkeit zurückzuführen. Die ersten Reetdächer waren einfache Eindach-Häuser.

Im Mittelalter wurde aufgrund der Brandgefahr in dicht bebauten Gebieten das Reetdach in den Städten durch Hartdächer ersetzt. Auf dem Lande behielt das Reet jedoch bis in die heutige Zeit eine gewisse Bedeutung. Die ersten nachgewiesenen Reetdächer (Pfahlbauten am Bodensee) gab es bereits um 4000 v. Chr. Es war leicht aufgebundenes Reet, das mit Haselnussstöcken als Schachtstange und eingeweichten Weidenstöcken auf den Dachstuhl gepresst wurde.

Reetdach Geschichte

Verbreitung

In vielen Landschaften Europas, Asiens und Afrikas kennt man Reetdächer. Vielfach werden diese jedoch besonders mit dem Nord- und Ostseeküstenraum in Verbindung gebracht, wo man zum Beispiel in Nordfriesland vollständig reetgedeckte Gebäude oder auch die Reeteindeckung ostfriesischer Gulfhöfe findet. Auch das für Nordfriesland typische Uthlandfriesische Haus ist traditionell mit einem Reetdach versehen. In einigen Orten, wie etwa Kampen auf Sylt, gibt es Satzungen, die die ausschließliche Verwendung von Reet, also die so genannte „Weichbedachung“ vorschreiben. In den Nachbarorten Keitum und Wenningstedt gibt es Ortsteile oder Bereiche, in denen ebenfalls ausschließlich Reetdächer gebaut werden dürfen. Auf der Halbinsel Eiderstedt werden die markanten großen Bauernhäuser, die Haubarge, traditionell mit Reet gedeckt. Die Reet- oder Rohrdachdeckerei ist ein eigener Geschäftszweig, so dass es im norddeutschen Raum spezielle Reetdachdecker gibt, die ausschließlich diese Dächer erstellen und reparieren.

In den Midlands von England und in Cornwall sind Reetdächer ebenfalls weit verbreitet. Tradition sind besonders kunstvoll verbaute Firstabdeckungen. Eine Variante ist das auf der dänischen Insel Læsø traditionelle Dach aus Seetang.

Reetdach Reparatur
Reetdachpflege

Aufbau eines Reetdachs

Grundparameter eines Reetdachs

Ein Reetdach kann traditionell als Kaltdach (mit Hinterlüftung) ausgeführt werden, früher wurde das Reet- oder Strohdach ohne Hinterlüftung als Warmdach konstruiert. Dabei wird dem Reet oft eine hervorragende Isolationswirkung nachgesagt, nicht zuletzt durch die Reetdachindustrie selbst: Aufgrund der geringen Rohdichte von Schilf sorge Reet für guten sommerlichen Wärmeschutz und gute Wärmedämmung im Winter. Im Reetdach wird jedoch aufgrund der starken Durchlüftung infolge der Halmstruktur jede Wärmedämmung „weggeweht“. Wer sich einmal auch nur bei leichtem Wind (2 bis 4 Bft) in einem nicht ausgebauten Reetdach aufgehalten hat, spürt, wie die Luftbewegungen fast ungehindert durch die Reetdeckung gelangen. Ein Hersteller schreibt selbst: „Wenn die Luftdurchlässigkeit des Reetdaches zudem durch eine zu feste Bindung, die Verwendung zu feiner Halme, oder zu nassen Reets gemindert ist, kann ein durchfeuchtetes Reetdach die Folge sein, dass einen idealen Nährboden für Algen, Bakterien und Pilze darstellt“. Die allseits unbestrittene und geforderte Luftdurchlässigkeit (im Winter für Kaltluft, im Sommer für Warmluft) schließt eine Wärmedämmung sachlogisch aus.

Im nicht-ausgebauten Reetdach steht die Winddurchlässigkeit als Mittel zur Trockenhaltung nach wie vor außer Frage, d. h. an der Innenseite ist dem Reet nichts hinzugefügt, man blickt innen gegen die Halme. Im Zuge moderner Bautechniken beim Dachgeschoßausbau haben sich die Reetdächer allerdings ihrem Unterbau angepasst und werden heutzutage mit Hinterlüftung (gemäß DIN 4108) als Kaltdach gebaut. Die Hinterlüftungsschicht soll – wie beim nicht-ausgebauten Dach – entstehende Feuchtigkeit abführen und so für eine höhere Lebensdauer des Reetdaches sorgen. Jedoch bringt eine 4 bis 6 cm starke Hinterlüftungsschicht eines ausgebauten Reetdaches erheblich weniger Luftaustausch als ein nicht-ausgebauter Dachboden, zudem hängt die Wirksamkeit der Hinterlüftungsschicht davon ab, wie wirksam die Ein- und Austrittsöffnungen für die Hinterlüftung funktionieren. Zudem stellt der dahinterliegende Dachausbau eine Eintragsquelle feuchtwarmer Luft aus dem Wohnraum dar: je mehr Durchdringungen beispielsweise für Elektro- und Sanitärleitungen und für die Tragkonstruktion, desto höher das Risiko, dass einzelne Durchdringungen von Anfang an undicht sind, oder im Laufe der Zeit undicht werden, und dann eine permanente Eintragsquelle feuchtwarmer Luft in die Reetlagen darstellen.

Reetdach mit einer feuchtevariabler Dampfbremsfolie, dessen Sparrenzwischenraum mit einer Einblasdämmung gefüllt wird, so dass ein Warmdach entsteht.

Zellulosegedämmtes Dach bei einem nachträglichen Dachfenstereinbau. Keine unkontrollierten Luftströmungen, „Löschblatt“ für jegliche Feuchtigkeit. Das Material im übrigen Sparrenfeld bleibt stehen, rieselt nicht heraus.

Nach einer Schadensserie bei ausgebauten Reetdächern, die pilzbelastetem Reetmaterial angelastet wurde, meldeten sich Fachleute, die auf die Unzulänglichkeiten einer Hinterlüftungsschicht hinwiesen, ein direktes Beflocken des Reets mit eingeblasener Zellulosedämmung (ohne Luftschicht) als sicherere Alternative befürworteten, und dafür auf Referenzdächer verweisen können. Die eingeblasene Zellulosedämmung kann aufgrund ihrer großen Feuchtespeicher-, -puffer- und Ableitungsfähigkeit die Luftschicht in ihrer Rolle als Trockenhaltungsmedium ersetzen. Zudem vermeidet man mit verdichtet eingeblasener Zellulosedämmung den Eintrag feuchtwarmer Innenluft durch die Dämmschicht in das Reet, weil die Zellulosedämmschicht an sich („materialimmanent“) luftdichtende Eigenschaften hat, die man bei Mineralwolldämmung nur durch sorgfältigstes An- und Abkleben mit Dampfbremsfolien erreicht. Auch das Einströmen tauwasserhaltiger Nachtluft wird durch die direkte Reetbeflockung vermieden.

Die korrekte Ausführung muss einige Anforderungen und Parameter einhalten. Reetdächer sollten eine Dachneigung von über 45° haben. Die hohe Dachneigung ist erforderlich, damit die einzelnen Wassertropfen von Halm zu Halm gleiten können. Bei einem funktionierenden Reetdach wird so nur die oberste Schicht der Dachdeckung durchfeuchtet. Reetdächer haben als konstruktiven Bautenschutz einen großen Dachüberstand (Traufüberstand) von mindestens 50 cm, da keine Regenrinne das Wasser abführt, tropft es in ausreichendem Abstand zum Mauerwerk ab und versickert in einem Kiesbett oder wird durch eine Rinne abgeführt. Der Schornsteinaustritt muss laut Feuerungsverordnung (FeuVO) mindestens 0,8 m über dem First liegen.

Der First des Reetdaches ist von Region zu Region unterschiedlich gefertigt. In Regionen, in denen Heidekraut wächst, wird dieser mit Heidekraut gedeckt. In den Niederlanden, Flandern und Frankreich sind Tonkappenfirste (in naturrot gebrannt oder taubengrau gedämpft) üblich. In Nordfriesland ist der Grassodenfirst zu finden und in den skandinavischen Ländern sowie der Region Kappeln/Flensburg Hängeholzer (Eichenholzreiter), die auf einer Seegrasschicht hängen.

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