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Reetdachwissen · 02 / 13

Der Aufbau eines Reetdachs

Wissen aus der Praxis. Für Eigentümer, Bauherren und alle, die Reetdächer besser verstehen möchten.

Wie ist ein Reetdach aufgebaut?

Ein Reetdach wirkt auf den ersten Blick einfach – tatsächlich steckt dahinter jedoch eine durchdachte Konstruktion, die sich über viele Jahrhunderte entwickelt hat. Jedes Bauteil erfüllt eine wichtige Aufgabe. Erst das Zusammenspiel aus Dachstuhl, Unterkonstruktion, Reetdeckung und fachgerechter Verarbeitung sorgt dafür, dass ein Reetdach dauerhaft vor Wind und Wetter schützt.

Anders als bei Ziegel- oder Schieferdächern entsteht die Regensicherheit eines Reetdachs nicht durch eine geschlossene Oberfläche. Vielmehr wird das Reet in mehreren Lagen verarbeitet und so verdichtet, dass Niederschlagswasser überwiegend an der Oberfläche abläuft und die Dachfläche anschließend wieder schnell trocknen kann. Damit dieses Prinzip zuverlässig funktioniert, müssen Konstruktion, Materialqualität und handwerkliche Ausführung perfekt aufeinander abgestimmt sein. Die Fachregeln des Dachdeckerhandwerks enthalten hierfür detaillierte Vorgaben zu Werkstoffen, Dachneigung, Deckung und Dachdetails.

Der Dachstuhl – Das Fundament des Reetdachs

Jedes Reetdach beginnt mit einem stabilen Dachstuhl. Er bildet die tragende Konstruktion und nimmt das Gewicht der gesamten Dacheindeckung sowie Wind- und Schneelasten auf.

Die Statik der Dachkonstruktion muss sorgfältig geplant werden. Besonders bei älteren Gebäuden wird vor einer Neueindeckung geprüft, ob die vorhandene Konstruktion weiterhin geeignet ist oder verstärkt werden muss.

Ein stabiler Dachstuhl bildet die Grundlage für die Langlebigkeit des gesamten Daches.

Sparren

Die Sparren sind die tragenden Holzbalken des Dachstuhls.

Sie verlaufen von der Traufe bis zum First und tragen sämtliche weiteren Bauteile des Dachaufbaus.

Abhängig von Gebäudegröße und Dachform unterscheiden sich ihre Abmessungen und Abstände. Bereits hier entscheidet sich, ob das Dach später dauerhaft stabil bleibt.

Dachlattung

Auf den Sparren wird die Dachlattung befestigt.

Sie bildet die eigentliche Grundlage für die Reetdeckung.

An ihr werden die Reetbunde später befestigt.

Der Lattenabstand richtet sich nach den geltenden Fachregeln und der Dachneigung. Eine fachgerecht ausgeführte Lattung ist entscheidend für eine gleichmäßige und langlebige Reetdeckung.

Das Reet

Das Herzstück jedes Reetdachs ist das Reet selbst.

Dabei handelt es sich um sorgfältig geerntetes Schilfrohr, das speziell für die Dacheindeckung ausgewählt wird.

Für ein langlebiges Dach werden ausschließlich hochwertige Reetbunde verwendet. Sie müssen gleichmäßig gewachsen, trocken, sauber und frei von Schimmel oder starken Verunreinigungen sein. Darüber hinaus spielen Halmlänge, Durchmesser und Elastizität eine wichtige Rolle. Diese Anforderungen sind in den Produktdatenblättern und Fachregeln beschrieben.

Die Reetdeckung

Beim Decken werden die einzelnen Reetbunde Lage für Lage aufgebracht.

Jede Schicht wird sorgfältig ausgerichtet, verdichtet und befestigt.

Dadurch entsteht eine dichte Deckschicht, deren Stärke auf den Aufbau abgestimmt wird. Diese Schicht sorgt dafür, dass Niederschlagswasser überwiegend an der Oberfläche abläuft und das Dach anschließend wieder schnell trocknen kann. Die Deckstärke und Ausführung richten sich nach den Fachregeln.

Die Traufe

Als Traufe bezeichnet man den unteren Abschluss einer Dachfläche.

Hier verlässt das Regenwasser das Dach.

Eine sauber ausgeführte Traufe sorgt dafür, dass Wasser zuverlässig von der Dachfläche abgeleitet wird und keine Feuchtigkeit in kritischen Bereichen stehen bleibt.

Gerade dieser Bereich ist handwerklich besonders anspruchsvoll und trägt wesentlich zur Funktion und Optik eines Reetdachs bei.

Der Ortgang

Der Ortgang bildet den seitlichen Abschluss der Dachfläche.

Auch hier muss das Reet so verarbeitet werden, dass Wind und Regen keine Angriffsfläche finden.

Eine fachgerechte Ausbildung schützt die Dachkanten dauerhaft und sorgt gleichzeitig für ein harmonisches Gesamtbild.

Der First

Der First verbindet die beiden Dachflächen miteinander und bildet den oberen Abschluss des Daches.

Er gehört zu den am stärksten beanspruchten Bereichen eines Reetdachs, da hier Wind, Regen und Sonneneinstrahlung besonders intensiv wirken.

Je nach Bauweise kommen unterschiedliche Firstarten zum Einsatz.

Dazu zählen unter anderem:

  • Reetfirst
  • Heidefirst
  • Tonfirst
  • Metallfirst

Welche Ausführung sinnvoll ist, hängt vom Gebäude, den gestalterischen Anforderungen und den örtlichen Gegebenheiten ab.

Anschlüsse und Dachdetails

Besondere Aufmerksamkeit erfordern alle Übergänge im Dach.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Dachfenster
  • Gauben
  • Schornsteine
  • Kehlen
  • Grate
  • Wandanschlüsse

Diese Bereiche müssen besonders sorgfältig geplant und ausgeführt werden, da hier erhöhte Anforderungen an die Regensicherheit bestehen. Die Fachregeln enthalten hierfür spezielle Vorgaben.

Die Dachneigung

Die Dachneigung gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für ein langlebiges Reetdach.

Je steiler die Dachfläche ist, desto schneller kann Niederschlagswasser ablaufen und desto besser trocknet die Deckung anschließend wieder ab.

Die erforderliche Dachneigung richtet sich nach den technischen Regeln und dem konkreten Dachaufbau. Auch kleinere Flächen und Dachdetails werden im Einzelfall beurteilt.

Warum jeder Zentimeter zählt

Ein Reetdach besteht nicht einfach aus Schilf.

Es ist ein präzise aufgebautes Dachsystem.

Jede Lage Reet, jeder Draht, jede Latte und jeder Anschluss beeinflussen die spätere Haltbarkeit des Daches.

Bereits kleine Ausführungsfehler können dazu führen, dass Wasser länger auf der Dachfläche bleibt oder kritische Bereiche schneller altern. Deshalb sollte die Planung und Ausführung ausschließlich durch erfahrene Reetdachdecker erfolgen.

Fazit

Der Aufbau eines Reetdachs wirkt auf den ersten Blick einfach. Tatsächlich steckt dahinter jedoch ein ausgeklügeltes Zusammenspiel aus Konstruktion, Material und traditioneller Handwerkskunst. Erst wenn alle Bauteile sorgfältig geplant und fachgerecht ausgeführt werden, entsteht ein Dach, das über viele Jahrzehnte zuverlässig schützt und seinen besonderen Charakter bewahrt.

Dieser Ratgeber erläutert allgemeine Zusammenhänge. Die passende Lösung für Ihr Dach ergibt sich aus einer individuellen Begutachtung. Technische und rechtliche Anforderungen werden für das konkrete Bauvorhaben geprüft.
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