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Reetdachwissen · 03 / 13

Reetqualität und Material

Wissen aus der Praxis. Für Eigentümer, Bauherren und alle, die Reetdächer besser verstehen möchten.

Warum die Qualität des Reets über die Lebensdauer entscheidet

Wer an ein Reetdach denkt, sieht meist nur die fertige Dachfläche. Doch der wichtigste Qualitätsunterschied entsteht lange bevor das erste Reetbündel auf das Dach kommt. Bereits die Auswahl des Schilfs entscheidet darüber, wie langlebig, widerstandsfähig und hochwertig eine Reetdeckung später wird.

Nicht jedes Schilfrohr eignet sich als Dachdeckungsmaterial. Hochwertiges Reet muss zahlreiche Anforderungen erfüllen. Es sollte ausgereift, trocken geerntet, sauber sortiert und frei von Schimmel oder anderen Verunreinigungen sein. Ebenso spielen Halmstärke, Elastizität, Länge und die richtige Lagerung eine entscheidende Rolle. Die Fachregeln und Produktdatenblätter des Dachdeckerhandwerks beschreiben hierfür konkrete Qualitätsanforderungen.

Aus diesem Grund beginnt ein hochwertiges Reetdach nicht auf der Baustelle, sondern bereits bei der Auswahl des richtigen Materials.

Was ist hochwertiges Reet?

Reet ist ein Naturprodukt. Jeder Halm ist unterschiedlich gewachsen und wird durch Klima, Boden, Wasserstand und Witterung beeinflusst.

Damit Reet als Dachdeckungsmaterial verwendet werden kann, muss es verschiedene Eigenschaften erfüllen.

Dazu gehören unter anderem:

  • vollständig ausgereifte Halme
  • möglichst gerade gewachsen
  • gleichmäßige Halmstärke
  • hohe Festigkeit
  • gute Elastizität
  • trockene Verarbeitung
  • möglichst frei von Blättern und Fremdbestandteilen
  • keine Schimmelbildung
  • keine Fäulnis

Je gleichmäßiger und hochwertiger das Material ist, desto sauberer lässt es sich verarbeiten und desto langlebiger kann die fertige Dacheindeckung werden.

Wann wird Reet geerntet?

Die Ernte erfolgt überwiegend während der Wintermonate.

Zu diesem Zeitpunkt hat die Pflanze ihr Wachstum abgeschlossen und die Halme besitzen ihre größte Festigkeit. Gleichzeitig sind die Blätter weitgehend abgefallen, wodurch ein sauberer und hochwertiger Rohstoff gewonnen werden kann.

Nach der Ernte wird das Reet getrocknet, sortiert und zu Reetbunden verarbeitet. Erst danach gelangt es zum Reetdachdecker.

Die Herkunft des Reets

Nicht jedes Reet stammt aus Deutschland.

Da der Bedarf an hochwertigem Dachreet groß ist, wird Schilf aus verschiedenen europäischen Ländern und weiteren Anbaugebieten verwendet. Dazu gehören beispielsweise:

  • Deutschland
  • Dänemark
  • Polen
  • Litauen
  • Ungarn
  • Rumänien
  • Türkei
  • Ukraine

Entscheidend ist dabei jedoch nicht allein das Herkunftsland. Viel wichtiger sind die tatsächliche Qualität des Reets, die fachgerechte Ernte sowie eine sorgfältige Lagerung und Verarbeitung.

Die Halmstärke

Ein oft unterschätzter Qualitätsfaktor ist die Stärke der einzelnen Halme.

Zu dünne Halme können weniger widerstandsfähig sein, während sehr dicke Halme sich unter Umständen schwieriger verarbeiten lassen. Hochwertiges Dachreet zeichnet sich durch möglichst gleichmäßige Halmdurchmesser und eine gute Festigkeit aus.

Auch die Länge der Halme spielt eine wichtige Rolle. Je nach Einsatzbereich kommen unterschiedlich lange Reetbunde zum Einsatz.

Warum Elastizität so wichtig ist

Ein guter Reethalm ist fest und gleichzeitig elastisch.

Er sollte sich bei Belastung leicht biegen lassen und anschließend wieder in seine ursprüngliche Form zurückkehren.

Sprödes oder brüchiges Material erschwert nicht nur die Verarbeitung, sondern kann sich auch negativ auf die Haltbarkeit der Dachdeckung auswirken.

Feuchtigkeit – der größte Feind des Materials

Bereits vor der Verarbeitung muss Reet sorgfältig vor Feuchtigkeit geschützt werden.

Während Transport und Lagerung dürfen die Reetbunde nicht dauerhaft nass werden. Gelangt Feuchtigkeit tief in die Bündel und kann nicht mehr entweichen, besteht die Gefahr von Schimmelbildung und Materialschäden. Deshalb wird Reet trocken gelagert und vor Niederschlag geschützt.

Auch auf der Baustelle ist ein sorgfältiger Umgang mit dem Material wichtig.

Die richtige Lagerung

Nach der Ernte wird das Reet zu Bündeln gebunden und für den Transport vorbereitet.

Bis zur Verarbeitung sollte das Material trocken, gut belüftet und vor anhaltender Feuchtigkeit geschützt gelagert werden. Nur so bleibt die Materialqualität erhalten.

Eine unsachgemäße Lagerung kann bereits vor dem Einbau die spätere Haltbarkeit beeinträchtigen.

Qualitätskontrolle

Bevor Reet verarbeitet wird, sollte es sorgfältig geprüft werden.

Dabei werden unter anderem folgende Punkte kontrolliert:

  • Gleichmäßigkeit der Halme
  • Sauberkeit
  • Feuchtigkeit
  • Schimmel
  • Fremdbestandteile
  • Beschädigungen
  • Bündelqualität

Nur Material, das den Anforderungen entspricht, sollte für hochwertige Reetdächer verwendet werden.

Warum gutes Material allein nicht ausreicht

Selbst das beste Reet kann seine Vorteile nur dann ausspielen, wenn auch Planung und Verarbeitung stimmen.

Ein hochwertiges Reetdach entsteht immer aus dem Zusammenspiel von:

  • erstklassigem Material,
  • fachgerechter Planung,
  • sorgfältiger Verarbeitung,
  • geeigneter Dachkonstruktion,
  • regelmäßiger Wartung.

Erst diese Kombination sorgt dafür, dass ein Reetdach über viele Jahrzehnte seine Funktion erfüllt.

Gut zu wissen

Viele Menschen glauben, dass allein das Herkunftsland über die Qualität eines Reets entscheidet. Tatsächlich spielen jedoch zahlreiche Faktoren zusammen. Erntezeitpunkt, Reifegrad, Lagerung, Sortierung und Verarbeitung sind mindestens genauso wichtig wie die Herkunft des Materials.

Fazit

Die Qualität des Reets bildet die Grundlage jedes langlebigen Reetdachs. Hochwertiges Material zeichnet sich durch ausgereifte, gleichmäßige und elastische Halme aus, die trocken geerntet, sorgfältig sortiert und fachgerecht gelagert wurden. Zusammen mit einer sauberen handwerklichen Verarbeitung entsteht daraus eine Dachdeckung, die nicht nur optisch überzeugt, sondern auch langfristig zuverlässig schützt.

Dieser Ratgeber erläutert allgemeine Zusammenhänge. Die passende Lösung für Ihr Dach ergibt sich aus einer individuellen Begutachtung. Technische und rechtliche Anforderungen werden für das konkrete Bauvorhaben geprüft.
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